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Nein zu geschichtsrevisionistischen Vergleichen
 

Europische Rechtspopulisten und so genannte Corona-Kritiker ziehen in ihrer ffentlichen Propaganda immer hufiger Vergleiche mit dem barbarischen Naziregime. Jedoch nicht, um an die Verbrechen zu erinnern, sondern um sich selbst als Opfer zu stilisieren.
In der Auseinandersetzung um die ungarisch-polnische Blockade des EU-Haushaltes erklrte dieser Woche der ungarische EVP-Abgeordnete Tams Deutsch, ein Mitbegrnder der Fidesz-Partei von Viktor Orban, nach Medienberichten, der deutsche Fraktionschef Weber erinnere ihn an die Gestapo, wenn er in seinen Reden ankndigt, wer nichts zu verbergen habe, msse vom Rechtsstaatsmechanismus (der EU) auch nichts befrchten.

Schon vor einiger Zeit sorgte die deutsche AfD fr einen Skandal, als sie die Ablehnung von Hotels und Tagungszenten, Vertrge mit der Partei abzuschlieen, mit der faschistischen Parole Kauft nicht bei Juden! gleichsetzte. Heute sind es die von der AfD und anderen neonazistischen Gruppen untersttzten Corona-Protestaktionen, auf denen Teilnehmende Judensterne mit Losungen gegen eine angebliche Zwangsimpfung tragen oder Plakate gegen die Merkel-Diktatur zeigen. In Karlsruhe schoben Eltern eine Elfjhrige auf die Bhne, die erzhlen durfte, sie habe sich wie Anne Frank gefhlt, weil sie ihren Geburtstag nur heimlich mit Freundinnen feiern konnte.
Vergangene Woche skandierten Protestierende in Berlin bei der Beratung des Bundestages ber ein Infektionsschutzgesetzes, man msse Widerstand gegen ein neues Ermchtigungsgesetz leisten.
Bei einer Kundgebung in Hannover glaubte eine 22-jhrige sich als Sophie Scholl inszenieren zu knnen, da auch sie nicht aufhren wolle, fr die Freiheit zu kmpfen. Dass ihr Auftritt grndlich misslang, war einem Teilnehmer zu verdanken, dem bei diesen Thesen der Kragen platzte und der ihr whrend ihrer Ansprache offensiv entgegentrat.

In einer Erklrung der deutschen VVN-BdA heit es dazu:
Solche Faschismus-Vergleiche sind bei den Organisator:innen der Corona-Proteste keine Ausrutscher, sondern bewusste Grenzberschreitungen. Man versucht erstens die in der Mehrheit der Bevlkerung vorhandene Grundeinstellung ber die faschistischen Verbrechen fr die eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Gleichzeitig wird damit eine Verharmlosung der tatschlichen NS-Herrschaft betrieben, indem aktuelle administrative Manahmen zur Bekmpfung einer medizinischen Pandemie mit dem systematischen Staatsterror des NS-Regimes gegen politisch Andersdenkende, gegen religise und rassistisch Verfolgte gleichgesetzt werden.

Die FIR protestiert gegen solche Formen der politischen Instrumentalisierung von Vergleichen mit dem NS-Regime und seinen Verbrechen fr rechte Propaganda. Bei solchen schbigen Vergleichen geht es nicht um die Millionen Opfer faschistischer Gewaltherrschaft oder um die Wrdigung der mutigen Haltung von Frauen und Mnnern aus dem Widerstand, die sich unter Einsatz ihres Lebens dieser Barbarei entgegengestellt haben. Es geht um eine Verharmlosung des verbrecherischen Naziregimes und eine Umkehrung von Ttern und Opfern, eine Selbstinszenierung der geistigen Nachfolger der Naziherrschaft als heutige Verfolgte.
Die Erinnerung an den antifaschistischen Widerstand, das Gedenken an die millionenfachen Opfer der faschistischen Vernichtungspolitik und der militrischen Expansion verpflichtet uns, gegen solche Formen von alltglichem Geschichtsrevisionismus aufzutreten.

per email am 27.11.2020